Interview mit Axel Berger, CarGarantie für AUTOHAUS


Noch ist das Elektroauto nicht auf dem Massenmarkt angekommen. Doch die Anzahl der Stromer auf deutschen Straßen nimmt zu. Dadurch kommen auch immer mehr Fahrzeuge auf den Gebrauchtwagenmarkt. Ein Fall für die Garantieanbieter? AUTOHAUS sprach mit Axel Berger, Vorstandsvorsitzender der CG Car-Garantie Versicherungs-AG.

Herr Berger, Studien zufolge liegen die Wartungs- und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge rund 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Gibt es trotzdem einen Markt für GW-Garantien?
Ja sicherlich. Denn gerade vor dem Hintergrund reduzierter Wartungs- und Reparaturkosten im Autohaus benötigt es ein sicheres Instrument der Kundenbindung. Ein E-Fahrzeug mit einer Garantie auszustatten, ist hierfür eine gute Lösung.

Eine Garantie dient der Absicherung des Kunden vor unerwarteten Reparaturkosten. Kann sie einen Elektromotor – eine Technologie, der noch viel Skepsis entgegenschlägt – attraktiver machen und so helfen, den Absatz anzukurbeln?
Für viele potentiellen Käufer ist die Hemmschwelle ein Elektroauto zu erwerben aufgrund von mangelnden Erfahrungen noch sehr hoch. Eine Garantie, die gleichzeitig eine Qualitätsaussage ist und vor Reparaturkosten schützt, kann diese Schwelle sicherlich heruntersetzen. Sie ist daher nicht nur eine gute Maßnahme, sondern sollte auch entsprechend vermarktet werden, um mehr Fahrzeugkäufer zu generieren.

Stromer sind einfacher gebaut, haben weniger Verschleißteile, eine höhere Lebensdauer und sind weniger wartungsintensiv als konventionell angetriebene Wagen. Was bedeutet das für eine GW-Garantie? Wie kalkulieren Sie?
Sollten die von Ihnen getroffenen Prognosen eintreffen, würde dies auch in der Kalkulation berücksichtigt werden und dazu führen, dass die Garantieprämien günstiger würden. Allerdings können wir bei unseren Fahrzeugen, die zurzeit in der Haftung sind, eine solche Tendenz nicht in diesem Maße positiv bestätigen. Hier benötigt es aber für eine verlässliche Beurteilung repräsentativere Bestände. Generell  basieren unsere Kalkulationen auf konkreten Auswertungen unseres Fahrzeugbestandes und werden für jede Marke, Fahrzeugtyp und PS individuell vorgenommen.

Welche Rolle spielt die Batterie – eines der teuersten Bauteile?
Hierbei muss man eine Gesamtbetrachtung vornehmen und es wird somit entscheidend sein, wie sich die Restwerte zukünftig entwickeln werden, wenn mehr Fahrzeuge auf dem Markt sind. Allerdings sind wir gerade dabei, auch für dieses sensible Bauteil einen langfristigen Garantieschutz aufzubauen.  Aufgrund der fehlenden Langzeiterfahrungen ist das jedoch ein sehr komplexes Thema.

Können Sie sich auch eine separate Absicherung von Akkus vorstellen?
Das können wir uns sehr gut vorstellen. Aber hierfür müssen noch einige Dinge generell geklärt werden, z.B. wie lautet die offizielle Definition, ab wann ein Akku als defekt gilt – bei 50, 60 Prozent verbleibender Ladekapazität oder bereits bei 70 Prozent? Für die Entwicklung eines neuen Produktes ist dies sehr entscheidend.

Bieten Sie bereits ein konkretes Garantie-Produkt für E-Autos? Wie sieht dieses aus?
Ja wir sind bereits mit einigen Produkten am Markt. Zum Beispiel realisieren wir in Österreich mit Mercedes-Benz das Wertpaket für den E-smart. Dieses Wertpaket verlängert quasi die  Werksgarantie um weitere zwei Jahre und umfasst alle elektrischen Komponenten und die Batterie.

Gibt es spezielle Voraussetzungen, die Autohändler dafür erfüllen müssen? 
Aufgrund von fehlender Langzeiterfahrungen bewerten wir für uns die E-Garantie als Pilotmarkt, so dass wir uns jede Anfrage individuell anschauen und bewerten.

Seit wann sind Sie mit der Garantie am Markt?
Die E-Garantie haben wir bereits vor drei Jahren eingeführt. Da es sich hierbei um eine Neu-wagen-Anschlussgarantie handelt, kommen diese Fahrzeuge nun in die Haftung, so dass wir hier auf die Entwicklung der Schäden sehr gespannt sind.

Für Händler und Werkstätten bedeutet Garantie vor allem Kundenbindung. Kommen E-Autos in den gleichen Zeitabständen zur Inspektion wie herkömmliche Autos?
Zwar unterscheiden sich die Wartungsarbeiten bei E-Autos von herkömmlichen Pkws, allerdings kann man auf Wartungsarbeiten generell nicht verzichten. Die herkömmliche Inspektion ist hier auch sehr wichtig, um zu garantieren, dass sich alle Funktionen in einem einwandfreien Zustand befinden. Ebenso werden diese durchgeführt, um die Herstellergarantie sowie den Verkaufswert eines Fahrzeuges aufrechtzuerhalten. Generell sind die Zeitabstände etwas länger als bei Fahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor.

Elektroautos – zumal auf dem GW-Markt – sind noch ein Nischenphänomen. Welche Marktentwicklung erwarten Sie?
Ob sich die Erwartungen der Hersteller hier in dem Maße erfüllen, wie prognostiziert, wird sich zeigen. Sicher ist jedoch, dass mit einer weiterentwickelten Technik der Anteil dieser Fahrzeuge am Markt kontinuierlich steigt.